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Ausstellung
ADAM ADACH Stille Beobachtung
Eröffnung
14 SEP 2006, Einführung: Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen Hamburg
Dauer
15 SEP – 4 NOV 2006
Text
„Ich werde älter und beginne zu verstehen, dass ich meiner wahren Natur nicht entkommen kann. Ich betrachte mich als Mann der Aktion, doch vielleicht ist der beobachtende Teil in mir stärker. Ich bin voller Zweifel, nicht nur der Malerei gegenüber, sondern auch gegenüber Idealen, der Politik und gegenüber dem, wie die Welt funktioniert. Ich muss Halt machen. Sicherlich gibt es Gründe, für die ich bereit bin, spontan in Aktion zu treten, doch was die Malerei anbelangt, wähle ich meine Sujets so, dass ich das Unvermittelte vermeide, das zu einer Art Propaganda oder Aktivismus führen könnte. Ich mag es, wenn eine Szene konkret ist, aber ohne übersteigerte Präzision. Ich lasse dem Betrachter Raum, damit er die Darstellung vervollständigen und seine eigenen Gefühle und Gedanken einbringen kann. (…)

Vielleicht ist deshalb jede Ausstellung oder Präsentation in der Öffentlichkeit – wie für viele andere Künstler wohl auch – psychologisch gesehen eine Stresssituation. Es geht nicht immer darum, eine autobiographische Idee zu chiffrieren, aber es gibt in den Details meiner Bilder Hintergedanken, die mir gehören. Erwarte nicht, dass ich sie enthülle… In der Kunst wie im Privatleben muss jedes Individuum ein Recht auf sein Geheimnis oder seinen intimen Garten haben, sonst wäre die Malerei bloß wie eine Glasscheibe (nicht einmal ein Fenster) im Büro von Big Brother, geputzt von einem genügsamen Gefangenen. Das wäre vielleicht der Tod der Malerei. Es scheint mir übrigens, dass es nicht eine alleinige Interpretationsmechanik dieser Zonen gibt. Mein Zugang und meine Bearbeitung variieren von Bild zu Bild. Das rührt zunächst daher, dass die Sujets sehr oft keine präzise Form haben: ein Erdhaufen, durch Unkraut hindurch beobachtet, Wasser, das über das Flussbett tritt, ein Moskitoschwarm im Schatten von Bäumen oder der flimmernde  Rauch nach einem Flugzeugabsturz. Diese Sujets sind derart komplex, dass ihre Form gleichsam informell ist. Sie ermöglichen es der Malerei zu verschwinden…, damit sie nicht zum reinen Bild wird. Wenn ich diese Zonen male, wende ich einen mikroskopischen Blick an. Damit will ich sagen, dass mein Blick die Etappe der Dekonstruktion einer Sache in vielzählige Teile durchläuft, die sich dann vermischen, neu gruppieren, wieder zusammensetzen zu einer Vorstellung. Der Grad dieser Synthese ist unterschiedlich. Es ist ein Feld, wo ich jedes Mal in der Malerei experimentieren oder sogar ‚herumwaten’, ein gewisses Gleichgewicht zwischen der Oberfläche und der Illusion des Raumes suchen kann, zwischen dem Zufall, der Erinnerung, der Optik, die an körperliche Gefühle gebunden ist, irgendwo zwischen der Figur und ihren ‚Figurabilitäten’. Diese Zonen sind in gewisser Weise banal, aber sehr wichtig für mich, denn sie bringen das seltsam Unerwartete ein, dank dessen es für mich nicht nötig ist, dass die Realität zum ‚Surrealismus’ wird. Ich kann in diesem Moment nicht objektiv bleiben. Ich würde sogar sagen, dass dies das Hauptthema der Malerei ist.“
 
Aus einem Gespräch zwischen Adam Adach und Julia Garimorth, in: Katalog Adam Adach, Musée national Message Biblique Marc Chagall, Nizza 2005, S. 102, S. 114
 
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