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Titel
ADRIAN SCHIESS 
Eröffnung
10 MAR, Einführung: Beat Wismer, Generaldirektor, Museum Kunstpalast, Düsseldorf
dauer
11 MAR - 30 APR 2011 
text
Die im Sommer 2009 gemalten und im folgenden Jahr im Musée d’Art Moderne in St. Etienne zum ersten Mal ausgestellten Bilder sind die größten einzelnen Arbeiten, die Adrian Schiess je gemacht hat, sie messen 340 x 240 cm. Was die Form betrifft – ein mit farbgetränktem Gewebe bespannter rechteckiger Keilrahmen, an der Wand befestigt – sind es zugleich seine konventionellsten Werke. Jahrzehntelang hat er viel Verschiedenes realisiert, aber keine flachen Arbeiten, die „wie ein Gemälde“ aufgehängt werden. Einige dieser neuen Bilder sehen aus, als sei mit ihnen der Atelierboden aufgewischt worden. Damit ist gesagt, dass aus ihnen jedes Ansinnen des Künstlers getilgt ist, die einfache und zugleich schwer zu erlangende Wirklichkeit der Dinge zu übersteigen. Mit diesen Bildern malt Schiess etwas, das so roh, anspruchslos, tatsächlich, vielfältig und uneinheitlich ist wie die Natur, wenn sie nicht daraufhin angeschaut wird, was man mit ihr machen kann, sondern daraufhin, was sie selbst einfach ist. Er malt Bilder, die aussehen wie der Atelierboden, aber nicht wie gemalte Bilder. Das ist das Schlichteste überhaupt, doch es ist unendlich schwierig, es in eine Form zu bringen. Und es braucht eine Form, denn „einfach so“ ist das Einfachste nie zu haben. Es bedarf einer aufwändigen, methodisch erfindungsreichen Arbeit des Künstlers, um sich von allen eingeschliffenen Intentionen zu befreien, mit denen die Gewohnheit das Ungenügen am Wirklichen zu überwinden sucht.

Beim Malen geht Schiess vor wie ein Gärtner. Er legt mehrere bildgroße Stücke eines feinen, durchlässigen Polyestergewebes übereinander und schüttet dünnflüssige Acrylfarbe darüber, die sich in den Maschen des Netzes festsetzt, aber auch in untere Schichten durchsickert. Er zieht tiefer liegende Tücher hervor, reißt sie voneinander los, legt sie oben auf und wiederholt den Vorgang, bis er schließlich zu einem Ergebnis kommt, das ihn befriedigt und als ein vollendetes Bild gelten kann. So vollzieht er Serien von malerischen Gesten, deren Unmittelbarkeit er bricht und wiederherstellt, um eine in sich selbst ruhende Eigenheit der malerischen Sache herbeizuführen, die ihm zugleich entspricht. Das tut er unter dem Eindruck der Dinge um ihn herum, im Winter der blühenden Mimosensträucher, die sein Atelier umgeben. Ein Bild ist gelungen, wenn es der Maler geschafft hat, dass es zugleich Natur ist und Natur darstellt.

Innerhalb des OEuvres von Adrian Schiess sind diese Bilder neue Formen dessen, worum es bei seinen spiegelnden Farbplatten, den bis zur Unkenntlichkeit vergrößerten Fotos, den mit Farbmaterialien überhäuften Leinwänden immer schon gegangen ist: das Hervortreten des Wirklichen. Innerhalb der Gegenwartskunst sind die Bilder ein Bekenntnis zur Abstraktion, der allein es nach Adrian Schiess gegeben ist, das zu zeigen, was keiner ihm äußerlichen Bestimmung unterliegt.
  
Ulrich Loock

Ulrich Loock war von 1985 bis 2010 Direktor der Kunsthalle Bern und des Kunstmuseums Luzern sowie Stv. Direktor des Museu Serralves, Porto. Gegenwärtig lebt er als Kritiker in Berlin und lehrt an der Hochschule der Künste in Bern.
 
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