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titel
ANETA GRZESZYKOWSKA Touristin
Eröffnung
31. MAR 2016
Einführung: Karsten Löckemann, Kurator der Sammlung Goetz, München
dauer
1. APR - 7. MAI 2016 
Pressetext
Die Befragung von Identität unter soziokulturellen, psychologischen und existenziellen Aspekten ist Thema von Aneta Grzeszykowskas Arbeiten. Ihre Fotografien, Skulpturen und Videos untersuchen das Verhältnis von Körper und Medien, dabei ist oftmals ihr eigener Köper performativ im Einsatz. Masken, Rollen, Fiktionen und computertechnische Retuschen entlarven die Identität als kulturelles Konstrukt. 
 
In unserer dritten Einzelausstellung mit Aneta Grzeszykowska zeigen wir eine Serie von Fotografien, die unter dem Titel „Iranian Film Stills“ 2015 als Reisetagebuch entstanden ist. Aneta Grzeszykowska ist mit ihrem künstlerischem Partner und Ehemann Jan Smaga und der gemeinsamen Tochter Franciszka unterwegs zu einem Artist-in-Residence-Aufenthalt in Isfahan, wohin sie vom Studio of Contemporary Creation eingeladen war und wo sie zum Abschluss eine retrospektive Ausstellung einrichtete.
 
Das Reisetagebuch enthält 75 Fotografien, die großteils von Jan Smaga, seltener von zufälligen Passanten aufgenommen wurden. Sie dokumentieren die Reise vom Anfang bis zur Ankunft in Isfahan, von hinten nach vorn geblättert, wie es bei arabischen Büchern üblich ist. In „europäischer“ Leserichtung verläuft die Reise rückwärts. Aneta Grzeszykowska trägt, gemäß den Gesetzen des Landes, einen Schal, um die Haare zu verdecken. Mit dieser Art Verkleidung greift sie ihre Fotoserie „Untitled Film Stills“ von 2006 wieder auf, die ihrerseits eine Wiederaufnahme bzw. Interpretation von Cindy Shermans gleichnamiger Serie von 1977–1980 war. Die Szenen der „Iranian Film Stills“ sind deutlich feministisch geprägt und thematisieren das Bild der Frau im modernen Iran. Sie bilden die feine Linie zwischen der Kostümierung nach Art des neorealistischen Kinos und einer erzwungenen Kleidungsvorschrift.
 
Ein zweiter Werkblock der Ausstellung sind Skulpturen, aus Wollstoff genähte Puppen, die künftige Altersstufen im Leben von Grzeszykowskas fünfjähriger Tochter darstellen. Waren die früheren Puppen dunkelgrau, „dreidimensionale Schwarze Löcher, die Menschengestalt angenommen haben“ (A.G.), versehen mit der Kleidung aus Grzeszykowskas Kindheit, deuten die neuen, hellen Puppen in die Zukunft. Sie tragen die Kleidung, die Franciszka in einigen Jahren tragen wird. Zu jeder Puppe gehört ein Foto, das dann erst aufgenommen werden kann, wenn die Tochter in die Kleidung hineingewachsen ist, d.h. das Werk wird erst mit dem erreichten Alter vollendet sein.
 
Im Video „Hymn“ ist der Körper einer Tänzerin, der mit einer alabasterartigen Bemalung an die hellen Puppen anschließt, Gegenstand einer Performance. Der Körper liegt am Boden, an der Brust werden Bänder befestigt, die im Verlauf sternförmig in Bewegung geraten. War das Video ursprünglich mit einem Soundtrack der polnischen Autorin Dorota Masłowska kombiniert, entschied sich Grzeszykowska in dieser Fassung, ihre Tochter am Klavier improvisieren zu lassen, da eine Improvisation mehr Entwicklung zulässt als ein durchkomponiertes Musikstück. Damit ist die Tochter, wie in den beiden anderen Werkblöcken auch, eine Mitwirkende. Wenn Grzeszykowska immer wieder die eigene Familie zum Gegenstand ihrer Kunst macht, erteilt sie der Trennung von privat und öffentlich deutlich Absage und fragt sich, ob die Kunst aus ihrem Leben kommt oder das Leben aus ihrer Kunst.
 
Aneta Grzeszykowska, geboren 1974 in Warschau, Grafik-Studium an der Akademie der Künste in Warschau, lebt und arbeitet in Warschau. Seit 1999 künstlerische Zusammenarbeit mit Jan Smaga. Teilnahme an bedeutenden internationalen Ausstellungen wie die Berlin Biennale 2006, Fotografia Europea – Reggio Emilia 2008 und die Paris Triennale 2012. Mit ihrer Personale in der Zachęta – National Gallery of Art Warschau 2013 gewann Grzeszykowska den Polytika Passport Preis.
Weitere Ausstellungen (Auswahl):  2015 Viborgkunsthal, Viborg (E), Fotomuseum Winterthur (E); National Art Museum of China, Peking; 2014 Folkwang Museum, Essen; 2012 Sculp­ture Center, New York City; 2011 Contemporary Art Museum, St. Louis (E), Harris Lieberman Gallery, New York City (E), New Museum, New York City; 2010 Heidelberger Kunstverein, Heidelberg (E); 2009 Rubell Family Collection/Contemporary Arts Foundation, Miami; 2008 Karlskrona Konsthall, Karlskrona (mit Jan Smaga); Camera Austria, Graz
Sammlungen (Auswahl): Salomon R. Guggenheim Museum, New York City, Centre Pompidou, Paris, Fotomuseum Winterthur, Folkwang Museum, Essen, Hammer Museum, Los Angeles, Museum of Modern Art, Warschau, Rubell Family Collection, Miami, Sammlung Goetz, München, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Herzogenrath, Artphilein Collection, Vaduz, Sammlung Verbund, Wien
 
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