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RAINER GANAHL Toxic Assets
Ausstellung
RAINER GANAHL Toxic Assets (LOGIN)
Dauer
6 MAI – 27 JUN 2009
Text
Der abgeschlossene ebenerdige Raum, das LOGIN der Galerie nächst St. Stephan – ein ehemaliger Buchladen, jetzt nur von der Straße durch das Fenster einsehbar – liegt direkt hinter dem berühmten Stephansdom. Das Projekt „Toxic Assets/Tödliche Gewinne“ besteht aus einer Serie von „I love New York“-T-Shirts mit aufgemalten Begriffen aus der Finanzwelt, die mit der Kreditknappheit assoziiert sind, dem Hauptgrund hinter dem gegenwärtigen Beinahe-Kollaps der Weltökonomie und der Krise des Glaubens an ihre Finanzarchitektur.
 
Neben den auf einer Wäscheleine präsentierten T-Shirts ist ein Foto mit dem Titel „Orlando, Bronx“ zu sehen. Die Fotografie wurde in einem leeren Apartment in den Bronx aufgenommen und zeigt einen Latino, der sich mit einem Christus-Tatoo auf dem markanten Kopf zur Kamera wendet. Christus ist mit langen Haaren, Bart und Dornenkrone dargestellt. Orlando trägt Jeans und ein unbedrucktes, unbemaltes T-Shirt. Die Konturen einer Halskette mit Kreuz zeichnen sich unter dem T-Shirt ab.
 
Die Beziehung zwischen dem T-Shirt-tragenden Orlando und dem, was hinter den „Toxic-Assets“-T-Shirts steht, ist nicht nur bildlich, sondern auch eine von Treue und Glauben. Sich Christus auf den Kopf tätowieren zu lassen, ist ein äußerliches Zeichen eines Glaubenssystems, das historisch gesehen hart umkämpft und tödlich für jene war, die ihm nicht zugehörten. Erinnern wir uns nur an den Begründer der Galerie nächst St. Stephan, der Jude war und in den 30er Jahren Wien verlassen musste. Securitization/Verbriefung von Krediten durch Wertpapiere, Collateralized Dept Obligations/Besicherte Schuldverschreibungen und Credit Swaps/Kreditderivate sind abstrakte, charakteristische Finanzinstrumente für unser kapitalistisches System, das sich gegenwärtig in einer fundamentalen Krise befindet, derart, dass nicht einmal mehr Banken Banken trauen und ihnen Kredite gewähren.
 
Die derzeitige weltweite Finanzkrise ist so weitläufig und komplex, dass wir ihr Ausmaß nicht begreifen können. Beispielweise spekulieren Zeitungen wie Der Standard, die New York Times, die Financial Times und das Wall Street Journal über die Möglichkeit, dass Österreich – neben anderen Staaten - bankrott geht aufgrund von exzessiven Kreditvergaben an osteuropäische Länder (70% des Bruttoinlandsprodukts), die nun schwer kämpfen um die Kreditrückzahlungen, da sich die Investoren zurückziehen, die Währungen verfallen und sie vom Markt verschwinden. Es liegt auf der Hand, dass sich Kredite in tödliche Gewinne verwandelt haben und ein Glaubenssystem – das ökonomische Rahmenwerk des Kapitalismus – in Frage stellen, für das in der Vergangenheit viele Kriege ausgefochten wurden. 
 
Um einen der berühmtesten Sätze Karl Marx’ zu paraphrasieren: Ein Gespenst geht um in Europa und der Welt – das Gespenst des Bankrotts und der Zwangsvollstreckung. Alle Kräfte der Welt und die G20-Staaten haben eine Allianz gebildet, um dieses Gespenst auszutreiben. Lasst uns glauben und hoffen, dass sie uns retten können, andernfalls finden wir uns in einer Großen Depression wieder, die ähnliche Konsequenzen wie die der 30er Jahre haben wird. 
 
Die T-Shirts sind handbemalt und unlimitiert.
Erhältlich ist auch eine limitierte Auflage von 10 Sets (10 + 3 AP) bei 20 T-Shirts pro Set.
 
Seite des Künstlers