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Ausstellung
GÜNTER UMBERG Passage
Eröffnung
6 NOV 2008, Einführung: Jan Thorn-Prikker, Kulturpublizist und freier Kunstkritiker
Dauer
7 NOV 2008 – 31 JAN 2009
Text
Malerei, das Bild, bringt nichts zu Bewusstsein. Wer glaubt, es geht hier um das Bewusstmachen taktiler Werte oder einer bestimmten Nuancierung von Schwarz oder Grün, wer glaubt, er könne sich im Sehen oder gar Berühren vergewissern, der täuscht sich. Gemalte Farbe vollzieht sich in der Auflösung jeglicher Bestimmtheit des Bildes. Meine Malerei demonstriert nichts, sondern gibt der erregten Wahrnehmung Raum. Günter Umberg, 2006
 
Seit bald dreißig Jahren malt Günter Umberg schwarze Bilder, mitunter grüne, selten auch orangefarbene. Sie entfalten eine eindingliche Präsenz im Raum, sie vibrieren an den Wänden, und ihre Wirkung ändert sich je nach Nähe und Distanz und Blickwinkel der Betrachtenden. Die Intensität der Farbe erreicht Günter Umberg durch wiederholten Auftrag von Farbpigmenten und Binder. Die Wiederholung des immergleichen Malvorgangs, oft bis zu hundertmal, bedeutet für Umberg einen existenziellen Zustand, um sich „die Farbe nahezubringen im Sinne eines Bildes“ und „das Material zum Bild zu verwandeln. Wenn ich von der Nähe einer Farbe spreche, spreche ich immer auch von der Nähe eines Bildes. Es geht genau darum, wie aus dem technischen Prozess ein geistiger Prozess wird.“
 
Günter Umberg hat seine spezifische Malweise entwickelt, nicht um die Farbe in ihrer physikalischen Beschaffenheit zu untersuchen, sondern vielmehr um die Farbe in ihrer Eigen-schaft und Bedeutung als zentrales Medium der Malerei zu definieren. „In dem Augenblick, in dem ich das Schwarz als Pigment begreife und den Binder als Flüssigkeit ohne Farbqualität, indem ich beides als getrennte Einheiten sehe, die zusammengebracht werden müssen, erzeuge ich im malerischen Sinne eine Farbe.“ Dabei entwickelt Umberg ein intensives körperliches Gespür für Farbe, die Farbe wird von Bild zu Bild verinnerlicht.
 
Umbergs dichte und intensive Arbeiten sind keineswegs autonome Gebilde, sie lassen eine Distanz zwischen Bild und Betrachter nicht zu. Sie existieren nur in der unmittelbaren physischen Beziehung zum ihm, der entscheidenden Anteil an der Sinngebung des Werkes hat. Das Sehen soll dabei nicht Denkoperationen untergeordnet werden, sondern eher einer Einverleibung nahekommen. Günter Umberg unternimmt architektonische Eingriffe, um einen spezifischen Ort herzustellen. Das Eintreten in den Raum, das Hinwenden zum Bild, die Passage über die Schwelle in eine andere, verborgene Welt überlässt Umberg keineswegs einer neutralen, vorgefundenen Architektur, sondern bestimmt die Möglichkeiten von Nähe und Distanz zwischen Bild und Betrachter. „Der Betrachter muss die Möglichkeit haben, in diesen Räumen freie Entscheidungen zu treffen. Die Bilder müssen sich so im Raum befinden, dass diese Freiheit nicht eingeschränkt ist und dass sie dem Raum gerecht werden… Wenn dies gegeben ist, können Raum und Bild zu einem einmaligen Ereignis werden.“
 
Alle Zitate aus: Günter Umberg/Jan Thorn-Prikker, Schwarze Sonne – Gespräch über die Kunst, ein schwarzes Bild zu malen; in: Günter Umberg, Bilderhaus, Schattenraum. Hrsg. Brigitte Baumstark und Dorothea Strauss, Zürich 2006
 
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