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JÖRG SASSE Durchsicht JÖRG SASSE Durchsicht
titel
JÖRG SASSE Durchsicht
Eröffnung
9 FEB, Einführung: Markus Mittringer, Autor, Wien
dauer
10 FEB – 24 MÄR 2012 
text
Kunst ist unvorhersehbar, sie entsteht oder verschwindet in einem Prozess, der nicht linear ist und von ständigen Rückkopplungen chaotischer oder zufälliger Ereignisse traktiert wird. Daran ändert keine Setzung, keine Methode und kein Konzept etwas. Der Zugang zur Kunst verspricht Projektionsflächen (Jörg Sasse)
 
Jörg Sasse hat für die Ausstellung „Durchsicht“ eine Auswahl zum Teil bislang noch nicht gezeigter Arbeiten getroffen. Seine Tableaus wie auch die zu einem Block gruppierten Stillleben sind auf Fotografien basierende Bearbeitungen, deren Vorder- und Hintergründe sich überlagern und durchdringen, sodass Durchsicht weder Durchblick noch Einsicht, sondern die Wahrnehmung selbst meint und hinterfragt. Daneben präsentiert Jörg Sasse seinen „Speicher-III“ als ein Wandobjekt mit 64 Bildern, ein Projekt, das in anderer Form 2008 im Musée d’Art moderne in Paris und 2010 in der Ausstellung „Ruhrblicke“ in Essen zu sehen war.

„Jörg Sasses ‚Speicher‘ sind immer Angebote an die Besucher, je eigene Bildkombinationen zu wählen, mit einer Auswahl von etwa 5 Bildern (Dateien) eine vorgegebene Hängematrix in beliebiger Reihenfolge zu füllen. Waren die Dateien der Speicher I (Paris) und II (Essen) in Themengruppen (Kategorien) aufgeteilt, so kommt der neue Speicher III in der Galerie nächst St. Stephan ganz ohne ein System der Gliederung der Dateien – ganz ohne ‚Ordner‘ – aus. Allen drei Speichern gleich eigen ist deren völlig unhierarchische Anlage. Es gibt keine Unterordner, keine festgelegten Pfade.

Hatte der Besucher (Benutzer) in Paris und Essen noch die Wahl aus verschiedenen Töpfen (etwa ,Abstrakt‘, ‚Kopfbedeckungen‘ oder ‚Winter‘ zu ziehen, um die Elemente seiner Kombination zu definieren, so gilt im Speicher III schlicht 5 aus 64. Dem folgt die Aufgabe, die Matrix – eine Reihe von fünf Bildern – beliebig zu füllen.

Jörg Sasse lässt den Betrachter am Prozess der Hängung der Ausstellung teilhaben, schafft einen klar definierten Spielraum, innerhalb dessen jedermann erproben kann, welche Überlegungen im Akt des ‚Hängens‘ einer Ausstellung manifest werden. Der Speicher dient also als auch Simulator, als Übungsgerät. Sasse stellt den Handapparat samt Regelwerk zur Verfügung, dem Laien bleibt überlassen, seine Variante zur Ausstellung zu bringen, festzulegen, was seine ‚Durchsicht‘ des Speicherblocks ergeben hat.
Der Auswahl folgt die Bewertung. Jörg Sasse hat dem Speicher ein Buch beigefügt, in dem alle möglichen Bildkombinationen bewertet werden: ‚=5‘ die bestmögliche, ‚=1‘ die schlechtest mögliche Bildkombination. Das Buch verrät keinen Kanon, kein Wertesystem, auf dem die Benotung gründet.
Die Bildmotive – Stoffe, Muster, Architekturdetails – sind nicht näher bestimmt, ihr Ursprung ist irrelevant. Ebenso offen bleibt, ob die richtigere oder falschere Hängung einen bestimmten Rhythmus beschreibt, eine spezielle Assoziationskette einleitet, einer rein formalen Ordnung entspricht oder doch Narratives andeutet.
Man kann aber auch den Speicher selbst im Auge haben und danach trachten, via Leerstellen, die sich durch die Bildentnahme ergeben, ein ‚Muster‘ am Objekt zu erzeugen – und in Folge nachsehen, ob die daraus resultierenden Bildkombination nun sehr gut oder nur befriedigend oder – laut Buch – ,nicht genügend‘ ausfällt.“

Markus Mittringer
 
seite des künstlers