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KATHARINA GROSSE snakes lie between her and the shore 2013 KATHARINA GROSSE snakes lie between her and the shore 2013
titel
KATHARINA GROSSE  Snakes lie between her and the shore
Gespräch
4. Mai: Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien, im Gespräch mit Katharina Grosse
dauer
3. Mai – 29. Juni 2013
text
In der vierten Einzelausstellung Katharina Grosses in unseren Räumen zeigen wir aktuelle Leinwandarbeiten und eine Raumsituation, in der ein Teppich und ein Sofa zum Träger ihrer Malerei werden.
Katharina Grosse besetzt mit ihrem Werk seit den frühen 90er Jahren eine der relevantesten internationalen Malereipositionen. Grosses Werk und Denken kennzeichnen beständige Erneuerung, variable Perspektivierung und die Forderung nach einer Art von Musilschem Möglichkeitssinn. Sie befragt eine abendländische Tradition, die das vermeintlich Objektive, die Abstraktion und das Statische als Bezugspunkt wählt und aus diesen Konventionen eine Verbindlichkeit zu entwickeln sucht. Der Betrachter begegnet in ihrem Werk einer Bildform, die sich in ihrer Offenheit, enormen Anschlussfähigkeit und Variabilität einem tradierten System entzieht und zu dessen Genese es keiner Abstraktion der gegenständlichen Welt bedarf.

Nichtgleichzeitiges im Moment der Wahrnehmung zu synchronisieren ist das, was Grosse an der Malerei fasziniert. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Der von ihr angestrebten Erweiterung der Malerei ins Volumen hinein begegnet sie mit der Expansion mittels Sprühpistole. Dieses Malmittel erlaubt ihr, Farbe und Blick gleichzeitig landen zu lassen.

Die Farbigkeit führt die Möglichkeit des Nachvollzugs einer (auch gedanklichen) Bewegung bzw. einer raumzeitlichen Ausdehnung und des Blickes ein. Somit kommt die Farbe tatsächlich nur um ihrer selbst Willen, nicht aber mit einer wie immer gearteten Assoziationsladung zum Einsatz. Sie dient Grosse – und zuletzt auch dem Betrachter – als Zeit-, Bewegungs- und Blickpfad. Denn der Betrachter vollzieht immer auch die Bewegungen der Malerin nach. Dies gilt sowohl für die Leinwandarbeiten, als auch für Objekte und in-situ Malereien. Daher gibt es denn auch nicht die eine richtige Perspektive; weder gedanklich noch räumlich.

Was aber geschieht mit den Objekten, auf denen Katharina Grosse ihre Farbe sich niederschlagen lässt? Was geschieht mit der Malerei? Wenn Grosse, wie in unserer Ausstellung, einen Designklassiker der Moderne – das Sofa Modell 578 von Florence Knoll (Entwurf 1954) – bemalt, lässt sie zwei Paradigmen aufeinandertreffen. Sie kommentiert, appliziert, kritisiert und visualisiert. Beide, Malerei und Objekt, bedingen einander und bleiben trotzdem Entitäten. Die Malerei zeigt sich und das Sofa und ist auf die Oberfläche angewiesen, um sichtbar zu werden. Dort, wo das Objekt verdeckt wurde, geschah sie zwar, ihr direkter Niederschlag wurde jedoch verhindert. Was wie ein Lidschlag zwar eine Unterbrechung des Blicks, nicht aber das Verschwinden des zuvor Gesehenen bedeutet. Zumindest wird das so angenommen.

Mit ihren Ausstellungstiteln, die, wenn überhaupt, ein Fragment einer narrativen Struktur darstellen, könn(t)en – neben zahllosen anderen, versteht sich – zwei Gedanken provoziert werden: zum einen die Frage nach dem scheinbar unwillkürlichen Prozess des „Auto-Vervollständigens“ der menschlichen Wahrnehmung und zum anderen das Denken über die Freude/Freiheit der Unterlassung dessen.
 
Seite der Künstlerin