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DANIEL KNORR Dead Letter Office DANIEL KNORR Dead Letter Office
Titel
DANIEL KNORR Dead Letter Office
Eröffnung
12 MAI, Einführung: Adam Szymczyk, Direktor der Kunsthalle Basel
dauer
13 MAI - 18 JUN 2011 
Text
“Ich möchte lieber nicht”, die legendäre Antwort von Herman Melvilles berüchtigter Aussteigerfigur Bartleby auf alle Fragen und Erkundigungen, könnte auch als Motto für Daniel Knorrs scheinbar weltfremde, idealistische Praxis des Nicht-dazu-Passens dienen. Knorrs beharrlicher, punk-artiger Widerstand gegen alle Eigenheiten des Establishments, sowohl die existierenden als auch die eingebildeten, findet seinen Ausdruck in formal disparaten, beißend ironischen und manchmal entwaffnend komischen Arbeiten, die der Künstler während der letzten zwei Jahrzehnte produziert hat.

In den 90er Jahren, am Anfang seiner Karriere, entschied sich Knorr, sich nicht nach den theoretisch gut fundierten, gebildeten und gemäßigten Artikulationen von sozialen und politischen Anliegen in „relationalen“ Installationen und interventionistischer Kunst zu richten, die dieses Jahrzehnt prägten. Durch diese wurde Partizipation, früher einmal die Forderung der Unterdrückten und Unterrepräsentierten, zu einem grundlegenden Ritual, eingebettet in genau das Regime, das verändert werden sollte. Genauso widersetzt sich heute Knorrs Praxis dem Rückzug in den Bereich der individuellen Erfahrungen und der interesselosen Untersuchung kulturellen Materials und der Wissenschaft der Verweise, die typisch für einen Großteil der gegenwärtigen künstlerischen Produktion sind.

Knorrs „Materialisierungen“ (der Künstler verwendet diesen Begriff selbst, um den materialistischen Ansatz seiner Arbeiten, die in einer Unzahl von Medien verwirklicht werden, zu betonen) thematisieren auf polemische Weise den institutionellen Kontext von Kunstausstellungen, während sie zugleich anstreben, das selbsterhaltende System der Gegenwartskunst zu unterwandern, das autonome Objekte oder zumindest greifbare Spuren eines Prozesses verlangt, um das Wachstum des Marktes zu fördern.
Natürlich gehen die Entwicklungen in der Kunstwelt Hand in Hand mit einer größeren ökonomischen und sozialpolitischen Veränderung, die durch den Übergang von der materiellen zur immateriellen Arbeit gekennzeichnet ist. Wir leben im Augenblick in einem Netzwerk vermittelter Kräfte, darunter die sofortige Einverleibung des Andersseins, die der diffusen Macht erlaubt, sich als alternativlos darzustellen, da alle abweichenden Stimmen sofort vereinnahmt werden, anstatt sie zum Schweigen zu bringen. Knorrs Ehrgeiz ist es deshalb, sichtbare „Systemfehler“ zu produzieren, die Widerstandshandlungen gegen eine solche Vereinnahmung formalisieren. Jede seiner „Materialisierungen“ – entweder die Form, die eine Idee erhält, die Reste eines historischen Prozesses oder eine technische Lösung – stellt ein Ereignis der Differenz dar, inspiriert und belebt von der Lektion der Freiheit, die von anarchistischen und aktivistischen Haltungen in der Konzeptkunst und der Kulturgeschichte allgemein übernommen wurden. Knorr bestiehlt die Vielen, um den Armen zu geben.

Adam Szymczyk

Die Ausstellung ist Teil von curated by_Vienna 2011
 
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