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Ausstellung
PETER TSCHERKASSKY From A Dark Room
Eröffnung
17 JAN 2008, Einführung: Alexander Horwath, Direktor des Österreichischen Filmmuseums, Wien
Filmvorführung
Mittwoch, 13 FEB 2008, 19 Uhr, Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien
in Kooperation mit sixpackfilm
Dauer
18 JAN – 23 FEB 2008
Text
Seit über zehn Jahren fertigt Peter Tscherkassky seine Filme ohne Kamera oder andere optische Geräte. Stattdessen wird in der Dunkelkammer jedes einzelne Bild des Filmstreifens mit einer aufwendigen Belichtungstechnik händisch durchgestaltet. Als Ausgangsmaterial dient hierbei gefundenes Filmmaterial, „Found Footage“, das zumeist Hollywoodproduktionen entstammt. Aus diesen Bildvorlagen kopiert Tscherkassky – Kader für Kader – Details und Fragmente: isolierte Raumansichten, einzelne Darsteller, Körperteile, Objekte im Raum. Diese Bruchstücke werden entlang einer detaillierten Dramaturgie zu gänzlichen neuen Erzählungen zusammengefügt.
Als Lichtquellen für die Umkopierungen fungieren winzige Taschenlampen sowie Laserpointer, die Tscherkassky wie Licht-Pinsel einsetzt. Dieser malerische, extrem handwerkliche Prozess hinterlässt deutliche Spuren, die das filmische Material selbst hervortreten lassen: Kratzer, Verschmutzungen, Unschärfen, Instabilitäten im Bild, wie sie in dieser Art einzig der klassische, analoge Film kennt. In jener historischen Phase, in der die audio-visuelle Kultur der Menschheit umfassend auf digitale Datenträger umgestellt wird und die analogen Aufzeichnungstechniken verschwinden, versucht Tscherkassky, den Film als ein autonomes künstlerisches Ausdrucksmedium mit einer ganz spezifischen Stofflichkeit noch einmal sichtbar zu machen.
Dennoch bleiben in der Flüchtigkeit einer Kinoprojektion nicht wenige der gestalterischen Bearbeitungen des Materials verborgen. Erst der Blick auf den angehaltenen Filmstreifen enthüllt die Vielfalt der Eingriffe, die physische Formbarkeit von Zelluloid und die einzigartige Schönheit des analogen Films, der sich als Medium von Kunst keinesfalls durch digitale Laufbilder ersetzen lässt.
Dieser Geste des Enthüllens sind die Leuchtboxen von Peter Tscherkassky gewidmet. Sie machen den physischen Unterbau des kinematografischen Illusionsraums erkennbar. Zugleich markieren sie den Übertritt zeitgebundener filmischer Kunst in den Bereich bildender Kunst, den Schritt von der Zeitlichkeit der Black Box in jene des White Cube.
Jede der 1 x 1,5 Meter großen Leuchtboxen enthält die Streifen einer 90 Sekunden langen kontinuierlichen Filmpassage. Parallel dazu zeigt ein Monitor denselben Filmausschnitt als DVD-Loop, um eine Vorstellung von der Wirkung einer Kinoprojektion zu vermitteln. Ein digitales Kinozitat, dessen analoge, körperliche Basis vor dem Betrachter sich ausgebreitet findet.
Peter Tscherkasskys Arbeiten finden international große Beachtung. Seine Dunkelkammerfilme „Outer Space“ (1999, 10’), „Dream Work“ (2001, 12’) und „Instructions for a Light and Sound Machine“ (2005, 17’) wurden weltweit auf über 90 Festivals gezeigt; darunter waren Erst-aufführungen beim Festival von Cannes und dem New York Film Festival. Mit bislang 45 Preisen und Auszeichnungen – u.a. dem Golden Gate Award San Francisco und dem Großen Preis von Oberhausen – zählen Tscherkasskys Arbeiten zu den meistprämierten der Kunstfilmgeschichte. 2007 wurde sein Film „Outer Space“ im Rahmen des Documenta-Filmprogramms präsentiert. In den Jahren 2006/2007 fanden Retrospektiven im Walker Arts Center (Minneapolis), im Andy-Warhol-Museum (Pittsburgh), im Pacific Film Archive (San Francisco), bei Cal Arts und im Film Forum (beide Los Angeles) statt, sowie bei 9 internationalen Filmfestivals. Im Mai 2008 wird Peter Tscherkassky seine Arbeiten im Pariser Louvre präsentieren. Zahlreiche renommierte Museen und Cinematheken, darunter das Centre Pompidou, die Cinémathèque française und die Sammlung der Harvard University, haben seine Filme angekauft.

Im Rahmen unserer Ausstellung zeigt das Top Kino am 13. Februar 2008 um 19 Uhr ausgewählte Arbeiten. Peter Tscherkassky wird anwesend sein. In Zusammenarbeit mit sixpackfilm.

Peter Tscherkassky, geb. 1958 in Wien. Philosophiestudium an den Universitäten Wien und Berlin. Filme seit 1979. Langjährige Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Linz und an der Universität für angewandte Kunst, Wien.
 
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