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Pictures at an Exhibition
Ausstellung
PICTURES AT AN EXHIBITION
Katharina Gosse, Jessica Stockholder, Herbert Brandl, Robert Zandvliet
Eröffnung
5 DEZ 2000, Einführung: Dr. Jochen Poetter
Dauer
6 DEZ 2000 – 6 FEB 2001
Text
Diese Ausstellung vereinigt vier Positionen zeitgenössischer Malerei, die in ihrem Zusammenspiel einen großen Reichtum und die nahezu unbegrenzte Flexibilität des künstlerischen Mediums unter Beweis stellen. In ihnen vereinigen sich die konträrsten Referenzen avantgardistischer Vor­kämpfer, und zugleich demonstrieren sie eine nie da gewesene Autonomie und Rückbesinnung auf die unteilbaren Grundbedingungen ihrer selbst. Wir können in der Entwicklung der letzten zweihundert Jahre immer wieder das Bemühen erkennen, den inneren und äußeren Rahmen des Tafelbildes zu sprengen und die der Malerei innewohnenden spirituellen und realistischen Kräfte zu komprimieren. In diesem Jahrhundert lassen sich die unterschiedlichsten Strategien beob­achten, mit denen der imaginäre Tiefenraum des Bildes mehr und mehr an die Oberfläche der Leinwand gelockt wird. Aber auch hier macht die Malerei nicht Halt und geht seit geraumer Zeit über diese Schwelle hinaus, in den realen Raum des Hier und Jetzt.
 
In die dreidimensionalen Collagen von Jessica Stockholder (geb. 1959 in Seattle, WA, lebt und arbeitet in New Haven, CT) können wir physisch eintreten. Ein zur Form gewordenes Chaos von sinnenfroher, fast verspielter Mannigfaltigkeit aus Materialien, alltäglichen Gegenständen und Farben hat den revoltierenden Geist der frühen Pop-Art-Assemblagen hinter sich gelassen. Wenn ihre Arbeiten sich in die vorgegebene Architektur einfügen und vom realen Raum profitie­ren, so bleiben sie doch in sich geschlossen. Anders verhalten sich die großen wand- und raum­bezogenen Malereien von Katharina Grosse (geb. geboren 1961 in Freiburg/Breisgau, lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin). Sie betonen die vertikale Fläche der Wand und führen einen intensiven Dialog mit den Proportionen der Architektur. Trotz und gerade wegen des Verzichts auf jegliche individuelle Handschrift sind ihre Flächen – auf Leinwand, Papier oder als Wand­malerei – Membranen von pulsierender Lebendigkeit, die den Prozess des Malvorganges in ihrer lichten Transparenz bewahren und in den ganzen Raum ausstrahlen.
 
Herbert Brandl (geb. 1959 in Graz, lebt und arbeitet in Wien) und Robert Zandvliet (geb. 1970 in Terband, Holland, lebt und arbeitet in Rotterdam) bleiben im Bild und doch erweitern sie es ganz entschieden. Die reale Außenwelt als Landschaft mit ihren Stimmungen wird nicht geleugnet, jedoch wird sie nicht in impressionistischer und expressiver Scheintiefe dargestellt. Die Ober­flächen sind vielmehr Schauplätze heftiger malerischer Auseinandersetzungen, in denen die ambivalenten Einlassungen mit den verführerischen farblichen Möglichkeiten ihren Niederschlag gefunden haben. Hier wird auf dem schmalen Grat von Emotion und Authentizität balanciert. Ganz offen hat sich Robert Zandvliet zur Landschaft bekannt. Aber auch hier wird schnell klar, dass es keine Abbilder sind, sondern „Malerei-Landschaften“, als hätten sie sich selbst gemalt. Die ausgreifenden Formate und die mit breiten Farbbahnen „geschriebenen“ Kompositionen spielen, ähnlich wie Brandls offene Strukturen, mit unserer von Erwartungen festgezurrten Wahr­nehmung. Solche Werke laden nicht zu kontemplativer Versenkung ein, sie sind dynamisch, wie aus einem fahrenden Zug gemalt. Und auch sie verharren nicht auf dem Bildträger, sondern kommen auf uns zu, versetzen den Raum in Bewegung.