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Titel
POLLY APFELBAUM Planiverse
Eröffnung
29 MAR, Einführung: Dr. Walter Seidl, Kurator, Wien
Dauer
30 MAR - 19 MAI 2012 
Text
Not in any way, shape or form (Polly Apfelbaum, New York, 2012)

Anders als die Künstler der Minimal Art der 1960er Jahre, die versuchten, etwas noch nie Dagewesenes zu erzeugen, ein „spezifisches Objekt“, das weder Malerei noch Plastik ist, stelle ich Objekte her, die die Eigenschaften sowohl von Malerei als auch von Plastik aufweisen: Struktur und Bildträger, Fluss und Bewegung, Farbe und Oberfläche, Wiederholung und Intervall.

„Feelies“ sind Bildobjekte, die aus Plastilin und Polymer-Ton gefertigt sind. Der Titel verweist auf die gleichnamigen Arbeiten der US-amerikanischen Keramikerin Rose Cabat, auf den USamerikanischen abstrakten Maler Paul Feeley und auf die Underground-Rockband The Feelies aus den 1980er Jahren. Ich war schon immer an einer Formensprache interessiert, die nicht starr, sondern improvisiert und situationsbezogen ist. Angehäufte, drapierte Dinge, die auf dem Boden liegen oder an der Wand lehnen. „Fallen Paintings“. Serielle und variable Arrangements, im Gegensatz zum Rechtwinkeligen, Aufrechten, Senkrechten und Feststehenden.

Inspiriert von Leo Steinbergs Essay „The Flatbed Picture Plane“ (Artforum, März 1972), fasziniert mich die Idee immer noch sehr, dass diese Arbeiten Ansammlungen, Anhäufungen von Dingen auf einer horizontalen Fläche darstellen. Man kann alles Mögliche auf einer flachen Oberfläche ansammeln und es bleibt dort. Ich glaube, gerade da kommt die Improvisation ins Spiel. Die grundlegende Erkenntnis von Steinbergs Aufsatz, dass das Werk nicht mehr auf eine Art senkrechtes Fenster zur Welt anspielt, bleibt wichtig für mich: Die sehr einfache Idee, auf einer horizontalen Aufnahmefläche mit einem Akkumulationsprozess zu arbeiten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um gefärbte Stoffe auf dem Boden oder um die von mir gefertigten Knetmassearbeiten auf einer Tischplatte handelt.

Die Aufmerksamkeit, die dem Machen – im Gegensatz zum Sehen – gewidmet wird, ist entscheidend für meine Installation. Ungebrannt und noch formbar, stellen die Plastilin- und Polymer-TonTafeln eine Erzählung dar, die auf einem kompositorischen Impuls aufbaut. Die Arbeit ist radikal provisorisch. Die Ordnung steht nicht fest, weshalb die Arbeit nie von Dauer sein kann. Zwar bestehen einige formale Beziehungen zur klassischen abstrakten Malerei, da aber diese Arbeit im Hier und Jetzt existiert, kann sie immer verändert werden. Sie ist unmittelbar, im Gegensatz zur Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit, die meiner Ansicht nach immer mit der Malerei assoziiert werden. Der Schwerpunkt liegt also auf der Möglichkeit und dem Prozess und nicht auf einem Endergebnis. Ich verstehe dies als automatische Abstraktion, eine negative Abstraktion, offener, auf dem Zufall basierend, eine Abstraktion, die Ordnung schafft, selbst unter zufälligen Umständen.

Überarbeiteter und modifizierter Text aus dem Ausstellungskatalog Boden und Wand / Wand und Fenster / Zeit, Roman Kurzmeyer (Hg.), Helmhaus Zürich, edition fink, Zürich 2009
 
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