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PRODUKTION
curated by_Kolja Reichert

BRACE BRACE by Annika Kuhlmann & Christopher Kulendran Thomas, KP BREHMER, CERCLE D’ART DES TRAVAILLEURS DES PLANTATIONS CONGOLAISES, HEINRICH DUNST, CÉCILE B. EVANS, HARUN FAROCKI, RENZO MARTENS, FRANZ ERHARD WALTHER
 
dauer
11. SEP - 24. OKT 2015
 
Text
Kunst kann nicht den Weg in den Postkapitalismus weisen. Wer das von ihr erwartet, schränkt sie und ihre Handlungsmacht unnötig ein. Die ästhetischen Formen sind hinterlistig, ihre Spannungsverhältnisse mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Formen komplex. Das Beste, das man von Kunst erwarten kann, ist das Offenhalten der Risse, das Aushalten und Steigern von Widersprüchen, der Widerstand gegen vorschnelle Identifikation.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten, die weniger als abgeschlossene Werke auftreten denn als Modelle oder Stellvertreter. Sie legen Rechenschaft über ihre Eingebundenheit in Wirtschaft und Technologie ab und führen künstlerische Formgebung und industrielle Produktion aufeinander.

Franz Erhard Walthers Videos Proportionsbestimmung I & II entstanden 1972 für die Videogalerie von Gerry Schum. Walther übersetzte dafür eine seiner frühen Handlungen von 1962 für die Kamera – eine sachliche Vermessung des Handlungsrahmens von Körper und Apparat.

KP Brehmer kombinierte Konventionen der bildenden Kunst mit den Abstraktionen der Statistik. Im März 1971 lag der Zeitschrift Capital mit einer Auflage von 225.000 ein Druck seiner Korrektur der Nationalfarben bei.

Cécile B. Evans’ Film Hyperlinks or It Didn’t Happen erprobt Identifikation und Affekt angesichts digital generierter Personas. Er ist in der Ausstellung als Trailer präsent.

Mit dem Film Enjoy Poverty (Episode 3) untersucht Renzo Martens die Rolle von Produzenten und Konsumenten „kritischer“ Kunst in der globalen Arbeitsteilung. Die von Martens’ Institute for Human Activities produzierten Skulpturen des Künstlerbundes kongolesischer Plantagenarbeiter sind Replikate von Lehmskulpturen, nach 3D-Scans ausgeführt in Schokolade. Die Gewinne aus ihrem Verkauf gehen an die Produzenten.

Annika Kuhlmann und Christopher Kulendran Thomas erproben das Handlungspotenzial innerhalb der Firmenform und entwerfen unter dem Label BRACE BRACE Sicherheitsprodukte für das Luxussegment. In der Ausstellung wird eine Studie für den Rettungsring Life Ring präsentiert.

In Heinrich Dunsts Arbeit erfahren das Brüchigwerden der Werkform und das Ineinanderkippen unterschiedlicher Medienformen, das viele aktuelle Arbeiten beschäftigt, eine besonders scharfe Zuspitzung. Er hat eine installative Grammatik entwickelt, welche die Ausstellung rahmt und unterläuft.

Kolja Reichert