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SASKIA TE NICKLIN, 2015 SASKIA TE NICKLIN, 2015
titel
SASKIA TE NICKLIN Picture Wild Portrait Me
Ausstellung im Rahmen von Destination Wien 2015 EXTENDED
Eröffnung
9. APR 2015, Einführung: Victoria Dejaco, Grazer Kunzverein, freie Kuratorin
dauer
22. APR   ̶   16. MAI 2015
text
Saskia Te Nicklin übersetzt ihre historischen, kunsthistorischen, politischen und literarischen Recherchen in eine ganz eigene künstlerische Sprache. Dabei geht es jedoch nicht um eine reine Visualisierung, sondern immer auch um eine Verschiebung und Transformierung ins Mystische, Symbolische oder Emotive. Ihre technischen Fähigkeiten in Bildhauerei und Malerei sind meisterhaft, nicht zuletzt wegen ihrer Bemühungen, diese zu verbergen und so nahe wie möglich an einem intuitiven Prozess, am Dilettantischen (im Sinne von dilettare (ital.) erfreuen, entzücken) dran zu bleiben. 2013 schuf Saskia Te Nicklin eine Reihe von Schallplatten aus Ton. Dem Mythos nach wurden archäologische Tontöpfe aus der Mojavewüste von laut singenden Frauen hergestellt, deren Gesang man hören würde, wenn man die Töpfe richtig spielen könnte. Durch ihre Auseinandersetzung mit Audioarchäologie, die sich dem Klang von Orten als Hinweis auf sich zugetragene Begebenheiten widmet, hat Nicklin diese Werke geschaffen. Die installative Arbeit „In His Study“ (2012) transformiert mehrere Elemente aus Albrecht Dürers „Der heilige Hieronymus im Gehäus“ in abstrakte, elementare Formen. Der Löwe reduziert sich nicht etwa typischerweise auf die Mähne, sondern auf seine parallel ausgestreckten Pfoten, die zu geometrischen Keilen werden. Die Objekte sind in einem instabil wirkenden Regalsystem angeordnet, in dem unklar bleibt, welche Elemente die tragenden und welche die lastenden sind. Das Regalsystem erinnert an eine Versuchsanordnung oder eben eine Bibliothek, also an das ursprüngliche Vorbild.

In ihrer Installation für das LOGIN präsentiert Nicklin drei Arbeiten, die durch die Auseinandersetzung mit Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ (1891) entstanden sind. Das Buch wurde auf einer Lithopresse Seite für Seite dem Original nachgedruckt, wobei der Text, ähnlich wie in Marcel Broodthaers’ „Coup de Dés“ durch Balken ersetzt wurde. Hier handelt es sich jedoch nicht um eine skulpturale Visualisierung, sondern eine inhaltliche Unterstreichung. Die farbigen Balken stehen an jenen Stellen, an denen Farben im Buch beschrieben werden. „The studio was filled with the rich odour of roses, and when the light summer wind stirred amidst the trees of the garden, there came through the open door the heavy scent of lilac, or the more delicate perfume of the pink-flowering thorn“, so bereits die ersten Zeilen des Buches. Ähnlich wurden die Farben wie ein Morsecode auf die vier Meter breite Leinwand übertragen, die nicht - wie Bildnisse üblicherweise - an der Wand präsentiert wird, sondern wie eine Personifizierung der Farbgewalt aufrecht steht. Hinter Glas, wie ein Echo auf die allgemeine LOGIN-Situation. Isolation, Abschottung, Schutz, Konservierung? Nicht zufällig kommt die Glasrolle aus der Chemieindustrie. Das Buch liegt auf einer Umzugsdecke. Metall wird in solchen Decken transportiert, Bücher eigentlich eher in Pergaminpapier eingeschlagen. So bindet sich aber mit einfachster Geste das Buch an die Aluminiumplatten. „Erzeugnis unbestimmter Zusammensetzung“ liest man bei der Artikelbeschreibung der Packdecken. Ein Meer von unbestimmten Farben ist in die Textur der Decke verwoben und lässt die Farben des Buches nachhallen. Die vier Aluminiumplatten, deren Schrauben wie Augenpaare positioniert sind, bilden die Kulisse der Inszenierung. Aluminium reflektiert, aber es spiegelt nicht. Die Reflexionen bleiben opak. „Das Antlitz, das man begehrt, ist immer opak. Opak heißt wörtlich beschattet. Diese Negativität des Schattens ist konstitutiv für das Begehren. […] Gerade da, wo der Schatten ist, ist auch der Glanz vorhanden.“[1] Im Zeitalter zunehmender Transparenz und Medialisierung bzw. fehlender Mediatisierung und Filterung holen Nicklins Arbeiten die nötige Materialität und Rauheit an den Tag, um anzuecken, Widerstand zu geben, real zu scheinen, die slicke Perfektion der heutigen Bilderwelt zu brechen.

“All art is at once surface and symbol. Those who go beneath the surface do so at their peril. Those who read the symbol do so at their peril. It is the spectator, and not life, that art really mirrors.“ (Oscar Wilde)         Victoria Dejaco

[1] Byung Chul Han, Im Schwarm, Berlin 2013, S. 38.
 
SASKIA TE NICKLIN, geb. 1979 in Kopenhagen, lebt und arbeitet seit 2011 Wien / Ausgewählte Ausstellungen: 2015 Kitsch Rites, Minuit Vernissage, Kopenhagen (solo); A likeness has blisters, it has that and teeth, Semper Depot Wien; 2014 Dull Case of The Call Unanswered, Galerie Diana Lambert, Wien (solo); Majestic Bather, 68m2, Kopenhagen; RIGID/FRIGID, Sammlung Lenikus, Wien; 2013 Cloud Hosting, Rachel Uffner Gallery, New York; 2012 I don’t eat, I don’t sleep – I do nothing but think of You, Ve.Sch, Wien (solo); 2011 Wiener Glut, KIT (Kunst im Tunnel), Düsseldorf