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TITEL
SONIA LEIMER Above the crocodiles
Eröffnung
3. NOV, Einführung: Thomas D. Trummer, Direktor Kunsthaus Bregenz
DAUER
4. NOV 2015 – 9. JAN 2016
TEXT
Sonia Leimer verhandelt in ihren Installationen Fragen nach den Grundlagen unserer Wahrnehmung, die sich auf der Basis individueller, historischer und medial geprägter Erfahrungsmuster bilden. Räume und Objekte, die in konkreten historischen Zusammenhängen entstanden sind, erfahren dabei eine Transformation, die Geschichte und gesellschaftlichen Wandel erfahrbar macht.

Der Titel der Ausstellung Above the crocodiles bezieht sich auf ein Video, das Sonia Leimer aus Archivmaterial eines russischen Fernsehsenders zusammengeschnitten hat. Zu sehen sind die filmischen Suchbewegungen zweier russischer Astronauten, die von der ISS-Raumstation aus auf verschiedene Territorien der Erde herunter filmen und sich dabei über das Gesehene unterhalten. Über die Audiospur hat Sonia Leimer eine weibliche Astronautin in den Dialog eingebaut, die ihre eigenen Feststellungen, Gedanken und Fragen in das Gespräch einfließen lässt. Das Wechselspiel von politischer Realität und persönlichem Begehren wird hier zum zentralen Motiv. Das Video ist in einem Raum mit zu Sitzen umfunktionierten I-Trägern zu sehen, deren Polster mit Stoffen aus einer ehemaligen sowjetischen Produktion bezogen sind. In ihrer Installation macht Sonia Leimer politische Veränderungen spürbar und verdeutlicht gleichzeitig die globale Vernetzung.

Stabilität im politischen wie architektonischen Sinn kann man auch auf die Rauminstallation beziehen, in der eine ganze Wand mittels eines mit Wasser gefüllten Gegengewichtes in der Schwebe gehalten wird. Hier lehnt sich der Galerieraum gegen die Schwerkraft auf, erhebt sich die Wand auf gegenläufige Weise. Es handelt sich um ein sensibles System von Abhängigkeiten, das temporär eine stabile Situation schafft, die jederzeit auch kippen könnte.

Aus einem ehemals stabilen System entrissen sind die Teerstücke – Fragmente der Stadt –, die Sonia Leimer auf dem Boden eines Raumes in Einzelstücken ausbreitet, so dass die Besucher über sie hinweg gehen müssen. Im Galerieraum eines jahrhundertealten Wiener Hauses schaffen sie einen Moment der Irritation und verweisen auf die Temporalität jeglicher menschlicher Versuche, Dauerhaftes zu schaffen. Die bedruckten Sonnenschutzfolien für Autos schlagen eine Brücke von den Straßenstücken zum distanzierten Blick von oben, der auch im Video zum Thema wird. Der Siebdruck zeigt ein Foto, das die Raumsonde Voyager im Jahre 1990 aufgenommen hat. Aus einer Entfernung von ungefähr 6 Milliarden Kilometer erscheint darauf die Erde nur noch als ein blasser blauer Punkt.
 
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