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Titel
SONIA LEIMER Space Holder
Eröffnung
24 MAI, Einführung: Luigi Fassi, Direktor der ar/ge kunst Galerie Museum, Bozen
Dauer
25 MAI - 14 JUL 2012 
Text
Der italienische Philosoph Antonio Negri definierte die Transformation der Arbeitswelt und den Aufschwung des städtischen Raums als wesentliche Kennzeichen des 21. Jahrhunderts. Er schrieb in Good bye Mr. Socialism: „Heutzutage ist eine Stadt an sich schon eine Quelle der Produktion: Das organisierte, bewohnte und durchquerte Territorium ist ein produktives Element geworden, wie es ehedem einmal das bearbeitete Land war.“ Seit der Barockzeit haben die Beziehungen zwischen urbanistischer Entwicklung und wirtschaftlicher Produktivität die Logik des städtischen Raums immer wieder neu definiert – in Übereinstimmung mit den Profit-, Kontroll- und sozialen Anpassungslogiken. Den Analysen zufolge, die ab den 1930er Jahren von Lewis Mumford durchgeführt worden sind, ist der Hang zur Konzentration von Menschen, Kapital und Arbeit bei der Entstehung der heutigen Metropolen die Ursache dafür, dass es dem menschlichen Auge zunehmend unmöglich wird, die städtische Dichte auf einen Blick zu erfassen.

Urbane Räume und hypothetische Territorien stehen im Zentrum der gegenwärtigen Ausstellung von Sonia Leimer. Ihr Projekt bewegt sich zwischen realen Orten – in imaginäre Kontexte der Kinoindustrie transformiert – und undefinierten Größen wie jene kosmischer Galaxien, die so weit entfernt sind, dass sie schier virtuelle Dimensionen annehmen. Die Arbeiten von Sonia Leimer streuen Indizien und Spuren aus, ohne zu einer abgeschlossenen Identität zu gelangen, so dass sie als visuelle Rätsel permanent neu interpretiert werden müssen.

Die „Platzhalter“-Skulpturen von Sonia Leimer sind in einen abstrakten Kontext isolierte Fragmente des städtischen Raums, potenzielle Indikatoren von Pausen, Aktionen, von „Baustellen“ und sich verändernden produktiven Geografien. Sie werden von der Künstlerin als Assemblage aus urbanen Resten wie Asphalt, Metall und Plastik hergestellt und bezeichnen die Unterbrechung im räumlichen Kontinuum der Metropolen. Sie spielen auf momentan besetzte, nicht zugängliche Räume an. Die „Platzhalter“ begrenzen ein urbanes Segment, um die Aufmerksamkeit auf ein Ereignis zu richten, dessen Natur und Bedeutung die Künstlerin nicht näher definiert. Diese Objekte operieren als kollektives Unbewusstes, das den alltäglichen Gebrauch des städtischen Bodens bestimmt. Wie in einem Schachspiel urbaner Phänomene von Macht und Kontrolle geben sie eine Reflexion über den Stadtraum und seine Veränderungen vor, auch Reflexion über seine Bestimmung als Ort emotionaler Investitionen, von möglicher politischer Militanz oder auch von Flânerie. So sind die besetzten Quadratmeter der „Platzhalter“ nicht mehr notwendigerweise produktive Elemente im Sinne von Antonio Negri und sind keine Bestände der ökonomischen Organisation des Territoriums mehr. Die „Platzhalter“ treten in ihrer mimetischen Eigenschaft wie Alarmzeichen auf, sie evozieren die Ästhetik der Metropole, ohne sich jedoch mit irgendeiner ihrer Funktionen im engeren Sinn zu identifizieren – als ob die Skulpturen von Sonia Leimer potenzielle Indikatoren von urbanem Protest oder von Notfällen wären, vielleicht lautlose Signale des momentanen Zugangs zu einem nicht näher bestimmten „Occupy Movement“.

Luigi Fassi

Luigi Fassi ist künstlerischer Leiter der ar/ge kunst Galerie Museum, Bozen. 2008-2009 Helena Rubinstein KuratorenStipendium des Independent Study Program am Whitney Museum, New York. Er publiziert bei Mousse Publishing, Artforum, Klat Magazine und Site.
 
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