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WALTER SWENNEN, 2013 WALTER SWENNEN, 2013
titel
WALTER SWENNEN
curated_by Miguel Wandschneider, Culturgest Lissabon
dauer
 11. Oktober – 14. November 2013
text
Es liegt etwas Wahres in dem alten Kalauer „dumm wie ein Maler“. Dumm ist nämlich das Wirkliche, mit dem sich das Denken auseinandersetzt. Malerei hat mit dem Wirklichen zu tun. So gesehen beschäftige ich mich mit Dummheiten. So mancher glaubt an den Niedergang der Malerei oder an eine immer größere innere Leere. Dabei gibt es gar keine innere Welt. (Kopfschmerzen bedeuten nicht unbedingt, dass man nachgedacht hat – und vielleicht gilt das ja auch für die Malerei: Die Augen nehmen von selbst wahr.) Es ist also einfach – und hoffnungslos – komisch. (Walter Swennen, 1988)

Walter Swennen, 1946 in Brüssel geboren, untersucht – wie andere Maler seiner Generation – das Medium aus neuen Perspektiven, wobei er auf seine Malerei Prinzipien aus anderen Disziplinen anwendet. Nach seinen Anfängen als Dichter der Beatnik-Generation und Teilnahmen an Happenings Mitte der 1960er Jahre beeindruckt ihn Marcel Broodthaers, der zu jener Zeit immer mehr Beachtung findet. Zum Graveur ausgebildet, beschließt Swennen zu Beginn der 1980er Jahre, die poetischen Möglichkeiten der Malerei zu untersuchen. So entstehen nach cartoon-artigen Arbeiten und gestischem Action-Painting in der Durchdringung von Poesie und Malerei „gemalte“ Texte bzw. „geschriebene“ Malereien.

Walter Swennen untersucht die Beziehung zwischen Malerei, Bild und Abstraktion, die Opposition von Gegenständlichkeit und Abstraktion ist für ihn eine falsche Fragestellung. „A painting is always an image of a painting“ formuliert er Ende der 1980er Jahre. Sein Werk charakterisiert sich nicht durch eine spontane oder heroische Bildsprache, wie sie für seine neoexpressionistischen Kollegen typisch ist. Im Rückblick wird deutlich, dass Swennen sich der kontinuierlichen Wiedererkennbarkeit von spezifischen Fragestellungen der Malerei widmet, mit einer Vorliebe für Formen des Widerständigen, der Abweichung und Relativierung: die Marginalität, die Absurdität, der Euphemismus, die Antiklimax und das Tragikomische. Wer hinter die augenscheinlich naive Ausführung seines Werks blickt, entdeckt so unterschiedliche Inspirationsquellen wie den Comic, die Literatur, zweisprachige Lexika, Kinderzeichnungen, Motive aus der Werbung und der Pop Art. In gleichsam mechanischer, unpersönlicher Weise ist Swennen der Produktlogik auf der Spur, ihrer Anonymität, ihrem Automatismus und stellt dabei die Autorschaft des Künstlerschöpfers in Frage. Neben Roland Barthes („Der Tod des Autors“) beschäftigen ihn die Mechanismen des Unbewussten, wie sie durch Sigmund Freud und Jacques Lacan beschrieben wurden.

Quer durch sein Werk ist Walter Swennen auf der Suche nach dem Unvorhersehbaren und Widersprüchlichen in der Malerei. Seine Arbeiten sind Experimente und Erforschung von Motiven, von Sprache und Zeichen, von Techniken, Bildträgern, von Bedeutung und Aussagekraft. Seine assoziative und improvisierte Arbeitsweise macht ihn zu einem der innovativsten Künstler unserer Zeit.
 
Einzelausstellungen (Auswahl): 2013 So Far So Good, Wiels Centre d’Art Contemporain, Brüssel; Continuer, Culturgest, Lissabon; 2012 Galerie Nadja Vilenne, Liège; 2011 Garibaldi Slept Here, Kunstverein Freiburg; 2008 How to paint a horse, bkSM, De Garage - Centre culturel de Strombeek, Mechelen; 2006 (2009, 2013) Nicolas Krupp Contemporary Art, Basel; 2002 Vlaamse Cultuurprijs voor het Beeldende Kunst; 1998 (2001, 2004, 2007, 2009, 2012) Galerie Nadja Vilenne, Liège; 1994 MUHKA - Museum voor Hedendaagse Kunst, Antwerpen, Kunsthal; Rotterdam; 1991 Le Nom Propre, Oalais des Beaux-Arts, Charleroi; 1990 Recente schil-derijen en tekeningen, Stadsgalerie, Heerlen; 1986 Palais des Beaux-Arts, Brüssel; 1984 Vereniging voor het Museum voor Hedendaagse Kunst, Gent.
 
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