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Daniel Knorr Reduce Speed Now
Ausstellung
DANIEL KNORR Reduce Speed Now
ERÖFFNUNG
4 NOV 2017, Einführung: Georg Schöllhammer, Wien
Dauer
4 NOV – 23 DEZ 2017
Text
Daniel Knorr bezeichnet seine künstlerische Tätigkeit als zeitgenössische Archäologie. Ausgangspunkt seiner konzeptuellen Werke ist die Aneignung von Realität, die in unterschiedlichen künstlerischen Prozessen situationsbezogen neu formuliert wird. Knorrs konzeptueller Ansatz, die Sichtbarmachung von Geschichte, hat gesellschaftskritische Relevanz und versteht sich im weitesten Sinn als biopolitisch. Seine Beiträge auf der diesjährigen Documenta waren Rauch aus dem Zwehrenturm des Fridericianums in Kassel, der unter dem Titel „Expiration Movement“ 163 Tage zu sehen war, und eine Edition von Büchern, in die er weggeworfene Gegenstände einpresste, die er in Athen von Straßen und Plätzen aufgelesen hatte. Es war die elfte Edition eines Projekts, an dem er seit zehn Jahren arbeitet.   
 
Für die 2013 begonnene Werkserie „Depression Elevations“, die skulpturgewordenen „Pfützen“, hat sich Knorr Vertiefungen und Unebenheiten von Straßen ausgesucht, die in einem komplexen Verfahren nachgegossen werden und zur Darstellung kommen. Die farbigen Wandreliefs, völlig abstrakte Gebilde, beziehen sich als Zeugen einer bestimmten Zeit und Praxis auf konkrete Orte (die sie oftmals im Klammertitel tragen), auf die konkrete Abnutzung ihrer Oberfläche durch den Gebrauch ziviler Infrastruktur. Der Titel der Ausstellung „Reduce Speed Now“ ist eine verkehrstechnische Ansage, die sich auf die Schonung von Straßen und Menschen bezieht und auch im ökonomischen Sinn gemeint ist.
 
Für den Abguss verwendet Knorr Kunststoffe, kristallklares Polyurethan, das ausschließlich für die Creative Industries in den Vereinigten Staaten geschaffen wurde. Was Knorr als Vertiefungen der Erdoberfläche entnommen hat, sieht der Betrachter als „inverses“ Relief. Die „Inversion“ ist auch ästhetisch zu verstehen: Die raue und graue Gebrochenheit des Bodens kehrt als „Bonbon für die Augen“ wieder, in ihrer Transparenz und Farbigkeit erinnern sie an die Light-and-Space-Bewegung der amerikanischen Westküsten-Künstler der 1960er Jahre. Bei der nun weiterführenden Serie sind transparente Abgüsse auf mattlackierten Metallplatten installiert, deren Farbigkeit den Modefarben gegenwärtiger Automobile entspricht.
 
Unter dem Seriennamen „Industrials“ beruhen die Abgüsse auf Metallteilen, Wellblechdächern, Kunststoffdeckeln und anderen Industriematerialien, deren Verformung und Abnutzung – sei es durch Naturereignisse, sei es durch langzeitigen Gebrauch – in das Relief aufgenommen werden. Sie thematisieren den Umgang mit Rohstoffen im Zeitalter der Industrialisierung und deren vielfältigen globalen, gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Auswirkungen.
 
Die Arbeiten der Serie „Minimal Change“ erinnern in formaler Hinsicht an die Minimal Art der 1960er Jahre, die mit dem Prinzip serieller Wiederholung die Bedingungen industrieller Produktion reflektierte. Daniel Knorr setzt bei den Ressourcen an, indem er quadratische Metallplatten großer Hitze aussetzt. Sie biegen und verfärben sich, werden rechteckig oder nehmen freie geometrische Formen an. Sie machen das Bewusstsein über die Endlichkeit von Ressourcen zum Thema.
 
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