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JONGSUK YOON April Mai 사오월 JONGSUK YOON April Mai 사오월
Ausstellung
JONGSUK YOON April Mai 사오월
Eröffnung
Donnerstag, 18. Juni 2020
Einführung: Robert Fleck, Prorektor Kunstakademie Düsseldorf
Ausstellungsdauer
19 JUN – 27 AUG 2020
Text
Je mehr man sich in das malerische Werk Jongsuk Yoons vertieft, umso mehr muss man konstatieren, dass diese im Lauf der Jahre immer größer und mutiger gewordenen Bilder im Wortsinne nicht zu fassen sind. Ihre trockenen, schwebenden Farben, ihr zeichnerisch-malerisches All-Over lässt sie zu diaphanen Erscheinungen werden, die sich momentweise verdichten, um sich im nächsten Augenblick wieder in einzelne Spuren, Linien, Felder, subtile Farb- und Formstimmungen aufzulösen.

Zumindest eine Teil-Antwort, woher die merkwürdige, von vielen Echos gesättigte Nicht-Verortbarkeit dieser Bilder herrührt, findet sich in der Biografie der Künstlerin. Jongsuk Yoon, 1965 in Korea als Tochter eines Galeristen für traditionelle asiatische Tuschemalerei geboren, hat ihre Heimat 1995 mit knapp 30 Jahren verlassen, um in Deutschland unter anderem an der Kunstakademie Düsseldorf bei Fritz Schwegler zu studieren. Insoweit lebt sie seit langem mit der Erfahrung, gewissermaßen in zwei Welten zuhause zu sein, und doch in keiner ganz. Nach den frühen konzeptuellen Anfängen mit komplexen Strickbildern konzentriert sich die Künstlerin ganz auf Zeichnung und Malerei. Fortan bewegt sich ihre Arbeit in einem Raum des strukturellen Dazwischen, in dem sich nicht nur Linie und Fläche, Farbigkeit und Nichtfarbigkeit, Abstraktion und Erzählerisches begegnen und miteinander vermengen, sondern vor allem auch die Traditionen der asiatischen und der europäischen Landschaftsmalerei.
 
In gewisser Weise ist das, was wir in und auf Jongsuk Yoons Bildern sehen, eine Malerei gewordene eurasische Reise zwischen horizontlosen Nah- und Fernblicken, von Motivfragmenten, die unter anderem Berge, Seen, Wolken, Wege, Häuser, Vögel und Blumen erahnen lassen, ohne, dass diese zur finalen Eindeutigkeit reifen, und von Farbkaskaden, mäandernden Linien und Pinselfiguren, die zunächst an die Tradition des Informel und des abstrakten Expressionismus denken lassen, ohne diese assoziative Nähe letztlich einzulösen.
Dabei greift die Malerin auf elementare Prinzipien der asiatischen Landschaftsdarstellung zurück, ohne sie zu kopieren. Vor allem das nicht-perspektivische Spiel mit unterschiedlichen Entfernungen findet sich in vielen Arbeiten. Und doch geht es Jongsuk Yoon auch ganz unmissverständlich um einen subjektiven Selbstausdruck, und nicht, wie dies in der klassischen asiatischen Landschaftsmalerei der Fall wäre, um eine überpersönliche, an individueller künstlerischer Handschrift desinteressierte Verwandlung von Landschaft in eine zeitlose, überzeitliche Essenz. 
 
Diese Landschaften, die sich in den Bildern der Künstlerin fragil und momenthaft konfigurieren, und uns mit ihrer ephemeren Präsenz bannen, sind in ihrem Kern eigentlich Erinnerungsbilder, in denen sich seelische und reale Landschaften permanent und unentwirrbar ineinanderschieben. Immer entsteht dabei die Gültigkeit der Bildordnung gerade aus der fast poetisch anmutenden Leichtigkeit und der Grazie des Ephemeren. Das gilt erst recht für die ganz aktuellen Arbeiten, beispielsweise für mehrere Kumgang (2020) betitelte Werke, in denen die Künstlerin die annähernd drei mal vier Meter großen Leinwände kompositorisch ungemein souverän bespielt und dabei gleichzeitig jeden Anflug von Festlegung und kompakter Schwere vermeidet.
Wer sich diese Malerei genau anschaut, kann auf ihrer Oberfläche nachvollziehen, dass Jongsuk Yoon sich tatsächlich ohne festen Plan, ohne jede Vorzeichnung oder andere vorbereitenden Skizzen, ausgestattet allein mit dem Mut der malenden Abenteurerin direkt in den Kontinent der Leinwand hineinbegibt, und dort auf das reagiert, was jede malerische Setzung an Vibrationen und Sensationen in ihr und auf der Bildfläche auslöst.
 
Die Künstlerin hat über ihre Odysseen auf dem Meer der Malerei gesagt: „Ich habe das fertige Bild nicht im Kopf. In gewisser Weise sagt es selbst, was zu tun ist“. Das fasst sehr klar den notwendig schwankenden und zerbrechlichen Grund, auf dem diese Bilder stehen zusammen. Sie dürfen nicht im Vorhinein wissen wer sie sind, wenn sie ihr temporäres Ziel erreichen wollen, das seinerseits nur eine Zwischenstation im permanenten Unterwegs dieses Werks bildet.

Stephan Berg
                                                                                                                 
Seite der Künstlerin