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ABSTRAKTE MALEREI
ZWISCHEN ANALYSE UND SYNTHESE
ABSTRACT PAINTING
BETWEEN ANALYSIS AND SYNTHESIS
ABSTRAKTE MALEREI<br>ZWISCHEN ANALYSE UND SYNTHESE<br>ABSTRACT PAINTING<br>BETWEEN ANALYSIS AND SYNTHESIS
Aus dem Vorwort
Der Anlaß für die Ausstellung „Abstrakte Malerei zwischen Analyse und Synthese", die die Galerie nächst St. Stephan vom 24. Januar bis 18. März 1992 zeigt, war ein zweifacher. Zum einen handelte es sich um eine thematische Fortführung der Ausstellung „Abstrakte Malerei aus Amerika und Europa", die 1986 stattgefunden hat, zum anderen galt es, auf die wieder unübersehbare Präsenz abstrakter Malerei in den internationalen Kunstzentren zu reagieren, die nach der Neuen Geometrie in den achtziger Jahren erneut im Zentrum künstlerischer Auseinandersetzung steht. Da sich die Galerie seit beinahe zehn Jahren in Einzelpräsentationen spezifisch dieser Kunst annimmt, erschien es mir notwendig, das Thema auf seinen derzeit aktuellen Stand hin zu untersuchen.
In den letzten Jahren beobachte ich bei den – mich speziell interessierenden – Malern eine verstärkte, grundsätzliche Skepsis, die die Malerei als Medium selbst in Frage stellt, analog zu einer Alltagswirklichkeit, deren unbegreiflichem, willkürlichem Zugriff auf das Individuum mit Malerei im Grunde nicht mehr beizukommen ist. Nun arbeiten diese Künstler jedoch an Entwürfen, aus denen heraus sich gleichsam Entschiedenheit entwickelt, die von außen als Widerstand gegen die Konfusion und Unbestimmtheit unserer kulturellen Situation verstanden werden kann. Sie beschäftigen sich mit einem Begriff von Malerei, der die handwerkliche Ethik und Integrität des Bildermachens als selbstverständlich voraussetzt. Die dabei sich herauskristallisierenden Haltungen wenden sich gegen die dekonstruktivistischen Attitüden der Postmoderne.
Diese Bestimmtheit findet in verschiedensten Formulierungen ihren Ausdruck: Sie muß sich zunächst aus der individuellen Situation des einzelnen Künstlers heraus ihren Weg bahnen, bedingt von der jeweiligen geographischen Herkunft und der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation. Gleichzeitig unterliegen diese Ausprägungen auch allgemeineren kulturellen Einflüssen. Denn lokale Eigenheiten bieten jenseits der bloßen Zusammenstellung einzelner Positionen die inhaltliche Herausforderung für eine Thematisierung kunstgeschichtlicher Traditionen. So beobachte ich beispielsweise, daß für amerikanische Künstler einerseits der Abstrakte Expressionismus von großer Relevanz ist, andererseits die Alltagskultur eine wichtige Komponente bildnerischer Auseinandersetzung darstellt und diese sich in ,,hochkulturellen Formstufen" – wenn man so sagen kann – ausformuliert. Dagegen leisten Künstler europäischer Tradition der Verfügbarkeit von kunstexternen Phänomenen eher Widerstand, was sich in einer Art Hermetik ausdrückt. Ich meine, in Europa herrscht nach wie vor ein anderes Verständnis vom Verhältnis zwischen Hoch- und Alltagskultur.
Es ist klar, daß eine solch schwierige Aufgabe, der sich die Künstler stellen und deren Lösungsversuche zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen führen, von komplexen Überlegungen begleitet wird. Um diesem Denken ein Forum zu schaffen, habe ich auf das für die Galerie bewährte Instrument des „Internationalen Kunstgesprächs" zurückgegriffen und ein Arbeitsgespräch initiiert, bei dem die Künstler in eigenen Vorträgen zu Wort kamen. Damit bot sich die seltene Gelegenheit, Einsichten in Arbeitsweise und Selbstverständnis der jeweiligen Künstler zu erlangen.
 
Rosemarie Schwarzwälder

 
Mit Werken von Alan Charlton, Lydia Dona, Heinrich Dunst, Stephen Ellis, Helmut Federle, Gaylen Gerber, Franz Graf, Callum Innes, Imi Knoebel, Jonathan Lasker, Brice Marden, Joseph Marioni, Jürgen Meyer, Sigmar Polke, Davis Reed, Gerhard Richter, Perry Roberts, Robert Ryman, Adrian Schiess, Günter Umberg, John Zinsser
 
TeilnehmerInnen des Internationales Kunstgesprächs: Lydia Dona, Heinrich Dunst, Stephen Ellis, Helmut Federle, Joseph Marioni, David Reed, Perry Roberts, Adrian Schiess, Noemie Smolik, John Zinsser
 
Details
Herausgegeben von Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien. Ausstellungsdokumentation: Philipp Schönborn, graphische Gestaltung: Helmut Federle, Texte von Noemi Smolik, Joseph Marioni, Adrian Schiess, Heinrich Dunst, Perry Roberts, Lydia Dona, Helmut Federle, David Reed, John Zinsser, Stephen Ellis, Texte in Deutsch und Englisch,156 Seiten, 21 Farb- und 36 Schwarzweiß-Abbildungen, Klappenbroschur. Ritter Verlag, Klagenfurt 1992, ISBN 3-85415-105-5
Diese Publikation ist vergriffen.