Lee Jiyen’s Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Wissenschaft, philosophischer Reflexion und Sinneswahrnehmung. Mit ihren installativen, raumgreifenden Objekten und großformatigen Fotocollagen untersucht sie Prozesse, durch die sich Muster aus kleinsten Fragmenten bilden, und transformiert vertraute Landschaften und Objekte in organische, raumbezogene Gebilde. Die Natur bildet einen zentralen Bezugspunkt: Lee nutzt natürliche Prozesse als Vorbild und Ausgangspunkt für ihre explorativen Untersuchungen. In ihren Arbeiten werden Strukturen von Wachstum, Verfall und Wechselwirkung sichtbar und erfahrbar, während kleinste Elemente zu räumlichen Kompositionen verschmelzen. Auf diese Weise eröffnen die Werke neue Perspektiven auf die Umwelt und laden dazu ein, die Verbindung zwischen mikroskopischen Details und großräumigen Phänomenen zu reflektieren.
Lees Arbeitsweise ist geprägt von einem experimentellen Umgang mit Materialien, Licht und Technologie. Sie macht Unsichtbares erfahrbar und erkundet Strukturen, die jenseits der gewohnten Realität existieren. Ihre Arbeiten reagieren auf Licht, Raum und Beobachtung, wobei sich Formen und Farben fließend verändern. Auf diese Weise verknüpft Lee wissenschaftliche Konzepte, etwa den Beobachtereffekt der Quantenmechanik, mit philosophischen Überlegungen zur wechselseitigen Abhängigkeit aller Dinge.
Dieses Denken prägt auch ihre Auffassung von Skulptur: Lee begreift sie nicht als schweres, starres Material, sondern als etwas kontinuierlich sich Entwickelndes. Durch die Verbindung von technischen Verfahren, zeitlichen Prozessen und optischen Effekten entsteht ein Werk, das zugleich ephemer, poetisch und präzise ist und die Grenzen zwischen greifbarer und immaterieller Realität hinterfragt.
Lee Jiyen studierte Bildende Kunst an der Goldsmith Universität in London und Bildhauerei an der Hongik University in Seoul. Sie erhielt mehrere Preise, darunter den Seokju Selection Prize der Seokju Cultural Foundation, Korea (2024), sowie den Sovereign Asian Art prize der Sovereign Art Foundation Hongkong (2014–2015).
Einzelausstellungen (Auswahl): Art Sonje Center, 1F Project Space, Seoul (2022); Gyeonggi Museum of Modern Art, Project Gallery, Ansan (2018); Interaction Seoul, Seoul (2017); MakeShop Art Space, Paju (2015); Space K, Daegu (2013); salon de H, Seoul (2011).
Gruppenausstellungen (Auswahl): Noor Riyadh Light Art Festival, JAX District, Riyadh, Saudi-Arabien (2024); Kumho Museum of Art, Seoul (2023); Artience Daejeon, artist’ house, Daejeon Culture and Arts Foundation, Daejeon (2021); Gyeonggi Creative Center, Ansan (2018); Le Tripostal Museum, Lille (2015); Espace Louis Vuitton, Hongkong (2012); SOKA Art Center, Peking (2010).