Die Konzepte von Irrtum und Korrektur ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk des katalanischen Künstlers Ignasi Aballí. Mit der ihm eigenen Beobachtungsgabe hinterfragt er die Konventionen von Kunst und Repräsentation. Aballí sammelt Staub, klassifiziert Listen oder beobachtet das Vergehen von Zeit auf lichtempfindlichem Papier. Dabei geht es ihm stets um die Erweiterung traditioneller Materialgrenzen und die Untersuchung, wie sich Information in etwas anderes transformieren kann – oder schlicht verschwindet.
Aballís künstlerische Praxis oszilliert zwischen dem Archivieren des Alltäglichen und dem Sichtbarmachen des scheinbar Unvollendeten und Unperfekten. Mit seinen Arbeiten blickt er auf das, was im Verborgenen bleibt: Produktionsfehler, verblasste Diapositive, leere Regale oder monochrome Leinwände, die nie ihren Weg in den klassischen Kanon der Vollendung fanden. In Werkserien wie Pieles oder Rótulos transformiert er vermeintliches Scheitern in eine neue ästhetische Kategorie. Er arbeitet mit dem „Wesen des Versagens“ – nicht als negativ konnotiertem Ende, sondern als Zustand einer produktiven Dysfunktion, die den Prozess der Schöpfung offenlegt und ihn von der Konfrontation mit einem endgültigen Ergebnis befreit.
Seine Arbeiten sind visuelle Ereignisse von großer konzeptueller Tiefe, die uns dazu bringen, nicht nur das zu sehen, was vorhanden ist, sondern auch das, was fehlt, was verworfen wurde oder was erst durch unsere eigene Wahrnehmung vervollständigt wird.
2022 vertrat Aballí Spanien auf der 59. Biennale von Venedig mit dem spektakulären Projekt Corrección, in dem er die Architektur des Pavillons durch eine minimale bauliche Verschiebung buchstäblich „korrigierte“ und so die Wahrnehmung von Raum und Fehlstelle mit einer ebenso radikalen wie subtilen Setzung hinterfragte.
Ausgewählte Einzelausstellungen: CAAC Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla (2024); Meadows Museum, Dallas, Texas (2022); Blueproject Foundation, Barcelona (2019); Museum of Contemporary Art, Zagreb (2018); Museo de la Universidad Nacional de Colombia, Bogotá (2017); Joan Miró Foundation, Barcelona (2016); Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2015); Pinacoteca do Estado, São Paulo (2010); Joan Miró Foundation, Barcelona (2008); ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe (2006); Serralves Museum, Porto (2006); MACBA Museo de Arte Contemporáneo de Barcelona, Barcelona (2005).
Aballí vertrat Spanien an der 59. Biennale in Venedig (2022). Er nahm an der Biennale Cuenca (2016), der Guangzhou Triennale (2012), der Sharjah Biennale (2007), der Biennale in Venedig (2007) und der Biennale von Sydney (1998) teil. 2015 wurde ihm der Joan Miró Preis verliehen.
Ausgewählte Sammlungen: Artium Centro Museo Vasco de Arte Contemporáneo, Vitoria-Gasteiz; Centre d‘Art La Panera, Lleida; CAAC Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla; Colección Banco de España, Madrid; Ellipse Foundation-Contemporary Art Collection, Cascais; Fundació Vila Casas, Barcelona; Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid; Museo Patio Herrerianode de Arte Contemporaneo, Valladolid; MACBA Museo de Arte Contemporáneo de Barcelona, Barcelona; Museu de Granollers, Barcelona.