Die Arbeiten der koreanischen Künstlerin Jiyen Lee bewegen sich an der Schnittstelle von Wissenschaft, philosophischer Reflexion und sinnlicher Wahrnehmung. Im Showroom Zürich präsentiert sie eine neue Werkserie, die sich den Formen, Strukturen und Metamorphosen von Kristallen widmet. Aus ihrer Residency in Göschenen, inmitten der alpinen Schweizer Landschaft, entwickelt Lee eine Praxis, die geologische Beobachtungen mit experimenteller Materialforschung verbindet. Sie sammelte Kristalle vor Ort, zerschlug sie und setzte die Splitter als bildnerisches Material ein. So entstehen skulpturale Gebilde, in denen Lichtbrechung, Wachstumsmuster und tektonische Kräfte sichtbar werden.
Mit der Werkgruppe RGB erweitert Lee ihre Forschung in den Bereich struktureller Farbe. Sie nutzt eine ursprünglich für den Fälschungsschutz entwickelte Photonic-Crystal-Dispersion, deren nanoskalige Struktur Farbe durch Brechung und Interferenz erzeugt. Zwischen Acrylplatten aufgetragen, entstehen unter Druck und Fluss unvorhersehbare Formationen, die durch UV-Härtung einen Moment zwischen Intention und Zufall fixieren. Ein Abstand zum Hintergrund lässt farbige Schatten entstehen und erzeugt eine doppelte Komposition aus Bild und Licht – Malerei als eine Konstellation von Material, Raum und Wahrnehmung.