Exhibition Polly Apfelbaum Saint Stephen (with a rose); 2026 — Galerie nächst St. Stephan

Polly ApfelbaumSaint Stephen (with a rose)

Upcoming Exhibition
Opening Thursday, 19 Mar 2026, 18:00
Domgasse 6
1010 Vienna
19 Mar9 May 2026
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Anmerkungen der Künstlerin

Ich habe diese Ausstellung Saint Stephen (with a Rose) genannt. Eine zweifache Hommage: einmal an das Lied von Grateful Dead von 1969, und zum anderen an die Galerie nächst St. Stephan, die ihren Namen dem nahegelegenen Stephansdom verdankt.
 
Saint Stephen with a rose
In and out of the garden he goes
 
Ich habe immer gesagt, dass Schneiden, sei es von Papier oder Stoff, für mich wie Zeichnen ist – so wie bei Matisse und seinen Scherenschnitten, besonders seiner Jazz-Serie. Mit den Papierarbeiten (die ich als Zeichnungen ansehe), wollte ich diesen Prozess aus einem neuen Blickwinkel betrachten, auf eine neue Weise Zeichnungen schaffen. Meine Ausgangspunkte waren die Scherenschnitte aus bemaltem Papier bei Matisse. Einfache Formen, Farben und Licht. Italo Calvinos Maxime (Paul Valéry entlehnt): Es gilt, leicht zu sein wie ein Vogel, nicht wie eine Feder. Die Dekonstruktion des Zeichnens: im Hinterkopf hatte ich dabei auch die Supports/Surfaces-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre. Ich mochte die Vorstellung, frischen Wind hineinzubringen.
 
Country garland in the wind and the rain
Wherever he goes, the people all complain
 
Ich fing mit Zeichnungen an, mit bemaltem Papier. Aber ich wollte mich von einer vorgefassten ästhetischen Ordnung oder Urteil lösen und so kam mir die Idee, das Papier in unterschiedliche Linienstärken zu zerschneiden, wobei es mir egal war, wie es aussah; die Streifen waren Teil von etwas, das erst entstehen würde.
 
Als ich mich für eine bevorstehende Künstlerresidenz vorbereitete, schlug mir eine Freundin einige neue Materialien vor. Anderes Papier, Wachsmalkreide und ein Tapetenwechsel: drei Wochen bei Yaddo, in Saratoga Springs, New York. Das war die Veränderung, die ich brauchte, um diese Arbeit zu sehen, aber es machte mich auch nervös. Die Textur und der Ton sind nicht mehr so, wie ich es gewohnt bin. Ich habe mich immer mit der Spontaneität von Kinderzeichnungen identifiziert. Auch wenn es eine ganz andere Materialität ist, gibt es ein haptisches Gefühl und eine Gemeinsamkeit im Herstellungsprozess, so wie ich es in meinen Gouachezeichnungen gemacht habe. Die Wachsmalkreide ist viel unmittelbarer und ich mache jetzt Zeichnungen, die ihre Ordnung der Logik der Schnitte verdanken – wobei es auch ein Element des Zufalls gibt. Das fand ich großartig. Ich liebe es zu kritzeln. Ich arbeite mit 70 Farben. Keine Farbordnung, keine festen Regeln. Das Papier kringelt sich und flattert herum, ganz von selbst, es hat seinen eigenen Kopf.
 
Stephen prospered in his time
Well he may and he may decline
 
Dann habe ich mich an das Kinderspiel „Steck dem Esel den Schwanz an“ erinnert: Dabei werden einem Kind die Augen verbunden und es wird im Kreis gedreht, auf diese Weise orientierungslos geworden, soll es dann einen Papierschwanz an einen Papieresel anstecken. Eine passende Metapher für diese Zeiten. Man kann sich also vorstellen, wie diese Papierstreifen – wie diese Eselsschwänze – mein Atelier übernommen (gleichsam überschrieben) haben, und in all den verschiedenen Farben, all den Längen und Breiten die Wände bedecken. Zuerst zufällig und später dann Linien bildend. Strukturiert wie Sätze oder Partituren. Eine Ansammlung von linearen Zeichen, eine abstrakte Sprache, die nicht übersetzt werden kann. Ich weiß noch, dass ich einen großen Esel gemalt habe, als ich jünger war, aber ich erinnere mich nicht daran, auch Eselschwänze gemacht zu haben.
 
Did it matter? Does it now?
Stephen would answer if he only knew how
 
Was Grateful Dead angeht: Ich war nie ein Deadhead, sie waren Teil meiner Jugend, aber ich habe sie erst kürzlich wiederentdeckt. Bei meinen häufigen Autofahrten verbringe ich viel Zeit damit, sie zu hören. Grateful Dead ging es immer um Improvisation und Liveauftritte, sie haben sich nie wiederholt. Sie waren Teil der Gegenkultur, auf die ich nicht mit Nostalgie zurückschaue, sondern auf der Suche nach Hoffnung. Es ging ihnen immer um die Musik, sie haben wirklich daran geglaubt.
 
Sunlight splatters dawn with answers
Darkness shrugs and bids the day good-bye
 
Geht es in diesem Lied also um den Heiligen, der als Märtyrer gesteinigt wurde, weil er gepredigt hatte, dass Israel von Gottes Wort abgewichen ist? Oder geht es eher, wie einige behaupten, um Stephen Gaskin, den spirituellen Anführer von Haight Ashbury (einem Stadtteil von San Francisco), der „The Farm“, eine Kommune in Tennessee, gegründet hat (und der später Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Grünen war)? Er war definitiv kein einfacher Charakter und galt einmal als der Acid-Guru von San Francisco.
 
Speeding arrow, sharp and narrow
What a lot of fleeting matters you have spurned
 
Schlussendlich spielt das aber keine Rolle, und der Liedtext lässt sich nicht auf eine spezifische Person festlegen. Aussagekräftiger erscheint mir die Rose in der ersten Zeile – sie wurde zum Emblem von Grateful Dead. Sie symbolisiert das Verlangen und die Dekadenz, aber auch die göttliche Präsenz auf der Erde und spirituelles Wissen. Ich denke da auch an Jay de Feos monumentale Arbeit The Rose, die sie als „Vermählung von Malerei und Skulptur“ bezeichnet hat, sowie Hilma af Klints Verwendung der Rose als Symbol in ihren Bildern.
 
Meine hybriden Zeichnungen verweisen sowohl auf die Zukunft, als auch auf zwei meiner frühen Arbeiten. 1990 habe ich eine Serie von Wandzeichnungen gemacht: die Wallflowers. Die direkt auf die Wand der Galerie gezeichnete und installierte Arbeiten bestanden aus mehr als 500 Rosen aus Krepppapier, die in konzentrischen Kreisen angeheftet wurden. Ein paar Jahre davor habe ich eine Arbeit mit hunderten Zetteln aus Glückskeksen gemacht: die winzigen Papierstreifen wurden zusammen mit Perlen auf einem Faden aufgezogen. Die Arbeit hieß All is Not Yet Lost (Noch ist nicht alles verloren). Dieser Spruch stammt tatsächlich von einem dieser Kekse, den ich damals bekommen habe; und so viele Jahre später bin ich noch immer hoffnungsvoll.
 
 
 
In Erinnerung an meine Mutter Nancy W. Abel, 1926 – 2026
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